Von 0 auf Silber - Eigenblut sparen und Heilung verbessern

Katholisches Klinikum Mainz setzt als erstes Klinikum in Mainz Patient Blood Management ein und erhält Silber Zertifikat

12.04.2018

Von 0 auf Silber - Eigenblut sparen und Heilung verbessern

Katholisches Klinikum Mainz setzt als erstes Klinikum in Mainz Patient Blood Management ein und erhält Silber Zertifikat

(Mainz, 12.04.2018, cb) Beim Global Symposium Patient Blood Management (PBM) in Frankfurt wurde das Katholische Klinikum Mainz (kkm) Ende März vom PBM-Netzwerk mit dem Zertifikat in Silber ausgezeichnet. Somit zeigt die Einführung des multidisziplinären Behandlungskonzeptes vor gut einem Jahr bereits jetzt deutlich sichtbaren Erfolg. Das Zertifikat belegt unter anderem, dass das angewandte multidisziplinäre Behandlungskonzept greift. So bleibt beispielsweise eine vorhandene Blutarmut vor einer großen Operation,  die mit einem großen Blutverlust einhergeht, nicht mehr unentdeckt und unbehandelt. Wärmedecken und ein so genannter Cell-Saver kommen während der OP zum Einsatz. Nach der OP werden Blutentnahmen so weit wie möglich vermieden. Die Gesamtheit aller Maßnahmen ermöglicht eine schnellere und schonendere Heilung – bei gleichzeitiger Verbesserung der Patientensicherheit, wie das kkm, als eines von rund fünf Prozent aller Kliniken in Deutschland, beweist.

Bluttransfusionen retten Menschenleben und sind aus der modernen Medizin nicht wegzudenken. Sie bergen aber auch Risiken, wie die Verwechslung der Blutgruppe, die Infektionsgefahr oder Allergische Reaktionen. Aber auch Risiken, die lange nicht erkannt oder richtig eingeschätzt wurden, wie die Schwächung des Immunsystems, machen ein Umdenken erforderlich. Das fremde Blut schwächt das Immunsystem des Empfängers z.B. nach Operationen oder Unfällen. Statt sich der Wundheilung und den Krankheitserregern zu widmen, muss sich das Immunsystem um den neuen „Feind“ kümmern. Diese Immunreaktion wurde in zahlreichen Studien belegt und erfordert einen anderen Ansatz – gerade auch vor dem Hintergrund, dass Deutschland der unangefochtene Weltmeister bei der Gabe von Fremdblut, also der Transfusion, ist.

Ein relativ neuer Ansatz ist das so genannte Patient Blood Management (PBM). Das PBM Konzept wurde 2013 entwickelt und beruht auf den folgenden drei Säulen:

  1. Die erste Säule bezieht sich auf die präoperative Vorbereitung der Patienten. Hierbei wird ein besonderes Augenmerk auf eine mögliche Anämie gelegt, da Blutarmut einen wichtigen Risikofaktor für zahlreiche gesundheitliche Komplikationen darstellt. Durch eine detailliertere Vorbereitung auf eine geplante Operation kann bereits im Vorgespräch auf
    eine solche getestet und diese so aufgedeckt und gegebenenfalls behandelt werden. Ist dies der Fall, so wird mit Hilfe eines standardisierten Prüfverfahrens ermittelt, wie ausgeprägt der Blutmangel ist und wie hoch das Risiko für eine Bluttransfusion wäre. Meist ist die Anämie auf einen Eisenmangel zurückzuführen, der mit einem geringen Aufwand leicht behandelbar ist. So wird die Voraussetzung geschaffen, dass der Patient aus eigener Kraft gut genesen kann.
  2. Die zweite Säule des PBM betrifft alle Maßnahmen während der Operation. Hierzu zählt die Erhaltung einer optimalen Körperwärme von rund 37 Grad. Hierfür werden spezielle Wärmedecken eingesetzt, dies das Auskühlen und somit eine schlechtere Blutgerinnung verhindern. Auch gilt es, blutsparender zu operieren, moderne OP-Techniken einzusetzen, wie z.B. Anwendung minimal-invasiver Methoden und der möglichst zurückhaltende Einsatz von Blutkonserven. Eine Transfusionsindikations-Checkliste prüft für jeden Einzelfall die Notwendigkeit des Einsatzes von Blutkonserven. Während der OP wird außerdem Wundblut gesammelt, aufbereitet und dem Patienten mit Hilfe des so genannten Cell-Saver wieder zugeführt.
  3. Die dritte Säule des PBM umfasst weitere Maßnahmen nach der Operation. So wurde z.B. die Häufigkeit der Blutentnahmen reduziert. Damit wird auch Blut „gespart“, das stattdessen im Körper des Patienten verbleibt. So kann sich dieser besser und schneller erholen.

Erstmals in Deutschland wurde das Konzept am Universitätsklinikum Frankfurt eingeführt und ist bislang nur an rund fünf Prozent der fast 2.000 Kliniken in Deutschland etabliert. Das Katholische Klinikum Mainz (kkm) ist seit 2017 Mitglied des Netzwerkes Patient Blood Management und eine der ersten Kliniken in Rheinland-Pfalz, bzw. das erste Klinikum in Mainz, dass das PBM umsetzt. Dabei führt die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit der Experten aus OP-Management und Anästhesie mit den einzelnen chirurgischen Fachrichtungen und der Pflege zum gewünschten Erfolg.

„Durch die konsequente Umsetzung aller Maßnahmen des PBM haben wir es bereits in kurzer Zeit geschafft, den Anteil der Patienten, die Fremdblut benötigen, von 23 auf rund 15 Prozent zu reduzieren“, erklären Matthias Meyer, der Transfusionsverantwortliche Arzt und OP-Manager und der Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie Priv.-Doz. Dr. med. Matthias David am kkm, unisono. Unser Ziel ist, diesen Prozentsatz auf weniger als 5 Prozent zu reduzieren. Dabei ist eine gute und enge Interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen OP-Management, Anästhesiologie und den einzelnen Fachabteilungen entscheidend“, so Meyer und David weiter.

„Mit der Umsetzung des PBM sind wir auf einem guten Weg, dies belegt die Zertifizierung, denn: Die Sicherheit eines jeden Patienten steht bei uns an erster Stelle“, erläutert Dr. med. Patrick Frey, MBA Geschäftsführer des Katholischen Klinikums Mainz. „Daher war es für uns ein logischer Schritt, auch dieses Konzept, neben den bereits etablierten Maßnahmen, wie dem Einsatz der WHO-OP- Checkliste zur Vermeidung von Verwechslungen im OP, dem Fehlermeldesystem für kritische Ereignisse im patientennahen Bereichen (CIRS), einem Patientenorientierten Beschwerdemanagement, der Teilnahme an der "Aktion saubere Hände", einer Kennzeichnung von Spritzen und dem Einsatz von Patientenidentifikationsarmbändern, einzuführen und umzusetzen. Die deutliche Verringerung der Transfusionsrate in so kurzer Zeit stellt die Weichen, das Konzept auch baldmöglichst bei allen anderen Operationen umzusetzen, bei denen ein hoher Blutverlust zu erwarten ist“, erläutert Frey abschließend.

 

Über das Katholische Klinikum Mainz
Das Katholische Klinikum Mainz (kkm) mit seinem Standort St. Vincenz und Elisabeth Hospital ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung. Mit seinen zertifizierten Fachzentren (AltersTraumaZentrum, Lokales Traumazentrum, Viszeralonkologisches Zentrum, Darm-, Pankreas-, Brust-, Endoprothetik-, Gefäß-, Lungen-, Schilddrüsenzentrum) sowie weiteren 17 Fachabteilungen, 624 Betten und über 1.500 Beschäftigten nimmt es einen überregionalen Versorgungsauftrag wahr. Jährlich werden im kkm über 50.000 Patienten ambulant und stationär behandelt. Das kkm hat einen im Landeskrankenhausplan verankerten Versorgungsauftrag und ist akademisches Lehrkrankenhaus der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Darüber hinaus betreibt es eine staatlich anerkannte Gesundheits- und Krankenpflegeschule mit 70 Ausbildungsplätzen für Gesundheits- und Krankenpflege.


Das Katholische Klinikum Mainz ist eine kirchliche Einrichtung des Caritasverbandes für die Diözese Mainz und der Marienhaus GmbH in Trägerschaft des Caritas-Werkes St. Martin GmbH. Die Patientenversorgung erfolgt unter dem Leitsatz „menschlich und kompetent – für die Stadt und die Region“. Seit 2004 ist im kkm ein Qualitätsmanagementsystem etabliert, das Krankenhaus ist nach DIN ISO 9001:2015 zertifiziert, die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung (ZSVA) nach EN ISO 13485:2016.

Mehr Informationen: http://www.kkm-mainz.de

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