„Schweigen ist nicht immer Gold.“

Katholisches Klinikum Mainz (kkm) setzt zahlreiche Maßnahmen zur Patientensicherheit um

15.09.2017

Der internationale Tag der Patientensicherheit steht in diesem Jahr unter dem Motto „Kommunikation im Gesundheitswesen“. Das Katholische Klinikum Mainz (kkm) tut vieles für die Patientensicherheit und eine verbesserte Kommunikation zwischen allen Beteiligten - und das nicht nur am 17. September, dem internationalen Aktionstag. So wurden jüngst zwei digitale Visitenwägen in den Testbetrieb genommen. Patienten und Ärzte profitieren dabei gleichermaßen. Administrativ-organisatorische Prozesse, wie die mobile Einsicht in alle vorhandenen Befunde sowie der Datenschutz, werden verbessert, die Patientensicherheit wird erhöht und auch die Ausbildung von Studierenden verbessert. Ärzte und Pflegepersonal haben mehr Zeit für das persönliche Gespräch und den Austausch mit Angehörigen. Darüber hinaus setzt das kkm zahlreiche Maßnahmen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus um, um die Patientensicherheit und den Service zu erhöhen. So erhalten unter anderem die Patienten Armbänder zur eindeutigen Identifikation, Spritzen werden besonders gekennzeichnet, die WHO-OP-Checkliste wird abgefragt, es gibt ein patientenorientiertes Beschwerdemanagement und Beinahefehler können anonym gemeldet werden.

Der internationale Tag der Patientensicherheit des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e.V. (APS) findet am 17. September 2017 zum dritten Mal statt. Das diesjährige Schwerpunktthema befasst sich mit der Kommunikation im Gesundheitswesen. Ziel ist es, alle Beteiligten für eine konstruktive, transparente und faire Kommunikation zu sensibilisieren. Studien zeigen, dass gesundheitliche Ergebnisse verbessert werden können, wenn alle an der Patientenversorgung Beteiligten untereinander, mit den Patienten und deren Angehörigen gut kommunizieren. Gerade im Gesundheitswesen sind multiprofessionelle und auch interdisziplinäre Teams mit der Behandlung der Patienten betraut – durch diese vielen Schnittstellen muss die Kommunikation korrekt und lückenlos weitergegeben werden.

„Die Patientensicherheit ist ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung in der Medizin. Deshalb steht die Patientensicherheit auch bei uns am kkm im Focus“, so Dr. med. Patrick Frey, MBA, einer der beiden Geschäftsführer des Katholischen Klinikums Mainz. Wichtige Schwerpunkte am kkm sind:

Einsatz von Patientenidentifikationsarmbändern
Ein Armband zur eindeutigen Identifikation von Patienten ist ein Mittel zur fehlerfreien und sicheren Identifizierung von Personen in allen Situationen während eines stationären Aufenthaltes. Der Patient wird aktiv nach seinem Namen und Geburtsdatum befragt, diese Informationen werden mit den Angaben auf dem Armband verglichen und es wird direkt angelegt. So kann  die Gefahr der Verwechslung von Patienten, bei Untersuchungen oder  Operationen eliminiert werden.  

Der Einsatz der WHO-OP-Checkliste zur Vermeidung von Patienten-, Seiten- und Eingriffsverwechslungen findet im kkm seit 2013 statt. Diese Checkliste wurde von der Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2008 entwickelt und soll 19 nur scheinbar schon geklärte Punkte vor Einleitung der Narkose, vor dem ersten Schnitt des Operateurs und bevor der Patient den Operationssaal verlässt, überprüfen. Als Vorlage dafür dienten Checklisten von Piloten, welche sicherstellen wollen, dass mit dem Flugzeug – vor dem Start,  alles in Ordnung ist. So wird zum Beispiel der Patient, bevor er in den Operationsbereich eingeschleust wird aktiv nach folgenden Kriterien befragt:

Wie ist Ihr Name?
Wann sind Sie geboren?
Was wird bei Ihnen operiert?

Diese Daten werden mit den Dokumenten und mit dem Patientenidentifikationsarmband verglichen.

Im nächsten Schritt stellt sich das interdisziplinäre OP Team untereinander mit Namen und Funktion vor, hält eine Auszeit – das sogenannte „Team Time out“ und bespricht zusammen die bevorstehende Operation mit möglichen Risiken.

Tritt bei nur einem der genannten Punkte eine Unstimmigkeit auf, wird der Eingriff sofort abgebrochen und alle Probleme werden sofort besprochen.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kontrolle von eingesetzten Instrumenten. Diese werden vorher laut gezählt, dokumentiert und anschließend nach Abschluss der Operation wieder auf Vollständigkeit kontrolliert. Dies sind alles vermeintliche Selbstverständlichkeiten, die aber bei keiner OP vergessen werden dürfen. Studien haben gezeigt, dass so die Fehlerquote deutlich gesenkt werden und Komplikationen vermieden werden konnten.

CIRS (Critical Incident Reporting System)
Dies ist ein Berichtssystem zur anonymisierten Meldung von kritischen Ereignissen und Beinahe-Fehlern in Einrichtungen des Gesundheitswesens. Auch das kkm hat ein solches Berichtssystem implementiert. Mithilfe des CIRS soll die Kultur im Umgang mit Fehlern in medizinischen Berufen verbessert werden. Denn das Wichtigste, um potentielle Fehler zu vermeiden ist: darüber zu reden und gemeinsam Maßnahmen zur künftigen Vermeidung festzulegen.

Patientenorientiertes Beschwerdemanagement
Das Beschwerdemanagement regelt den Umgang mit mündlichen und schriftlichen Beschwerden. Krankenhäuser sind seit Inkrafttreten des Patientenrechtegesetzes 2013 zur Einrichtung eines patientenorientierten Beschwerdemanagements verpflichtet. Im kkm gibt es seit 2011 ein zentrales strukturiertes Beschwerdemanagement, d.h. es existiert ein schriftliches, verbindliches Konzept zur Bearbeitung von Beschwerden (Beschwerdeannahme, Beschwerdebearbeitung, Beschwerdeauswertung, Ableitung von Maßnahmen zur Verbesserung). So ist festgelegt, dass eine erste Kontaktaufnahme innerhalb von 24 Stunden erfolgt und eine Reaktion in Form von Handlung oder Stellungnahme innerhalb von sieben Tagen eintritt. Ziel der Klinik ist, etwaige Beschwerden als Chance für weitere Verbesserungsmaßnahmen zu sehen. Die Erfahrungen aus den Beschwerden werden regelmäßig und strukturiert mit den betroffenen Personen und Abteilungen besprochen, analysiert und sehr häufig entstehen daraus neue Handlungsanweisungen für den klinischen Alltag.

Des Weiteren wurde die Stelle der Patientenfürsprecherin, die sich ehrenamtlich und unabhängig um Patientenbelange kümmert, neu besetzt.

Aktion Saubere Hände
Infektionsketten lassen sich durch entsprechende Hygienemaßnahmen unterbrechen. 30 Sekunden Händedesinfektion können Leben retten! Das Katholische Klinikum Mainz (kkm) legt daher in seiner täglichen Arbeit größten Wert auf die Einhaltung und Umsetzung der richtigen und ausreichenden Hygienemaßnahmen. So „sorgen“ allein am kkm, an 365 Tagen im Jahr, rund 40 Personen mit besonderer Qualifikation für die Einhaltung der von der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO)  und dem Robert Koch Institut (RKI) vorgegebenen Hygienestandards. Damit aber auch alle anderen der rund 1.500 Mitarbeiter die Vorgaben einhalten und Hygiene nicht zum Glücksspiel wird, beteiligt sich das kkm unter anderem an der bundesweiten Aktion Saubere Hände. Hier werden die Vorgaben herausragend erfüllt, so dass das kkm das Siegel der Aktion als eines von zwei Häusern in Rheinland-Pfalz in Silber führen darf.

Medikamentensicherheit
Bei der Zusammenstellung der Medikation für nur einen Patienten können schnell Fehler mit weitreichenden Folgen entstehen. Daher werden diese Maßnahmen im kkm immer im sogenannten „vier Augen Prinzip“ vorgenommen, d. h. alle vorbereiteten Medikamente für Patienten werden vor der Verabreichung  durch einen weitern qualifizierten und ausgebildeten Kollegen kontrolliert. Gerade um Kommunikationsfehler zu vermeiden, werden insbesondere Spritzen mit festgelegten Standards beschriftet. Diese Vorgaben sind auch von der Fachgesellschaft der Deutschen Gesellschaft der Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) in Studien auf ihre Wirksamkeit geprüft und gesichert worden.

Patienten kommen häufig mit Verordnungen von unterschiedlichen Ärzten zu uns in das Krankenhaus. Bei geplanten Aufnahmen lassen wir die Angaben der Patienten über ihre Medikamente, insbesondere auch sogenannte Selbstmedikation, wie zum Beispiel Vitaminpräparate, von einem Apotheker auf gegenseitige Unverträglichkeiten untersuchen.

„Wir schauen uns die Arbeitsprozesse immer wieder an und hinterfragen sie. Durch die Veränderung der Prozesse ergeben sich auch neue Maßnahmen, die wir am kkm ergreifen können, um die Patientensicherheit zu optimieren“, so Michael Osypka, ebenfalls Geschäftsführer am kkm. „Ein weiterer wichtiger Baustein zur Steigerung der Patientensicherheit ist zum Beispiel das Patient Blood Management, welches wir  anwenden. Dieses hilft, die Anzahl der benötigten Blutkonserven zu reduzieren, die oftmals nicht nötig sind, wenn zuvor einige Parameter geprüft und ggf. reguliert sind.“