Tracheobronchomalazie - OP Novum in Rheinland-Pfalz

Erkankung am Katholischen Klinikum Mainz (kkm) bereits mehrfach erfolgreich operiert

Foto: Sascha Kopp

08.12.2017

Erstmals in Rheinland-Pfalz ist an der Klinik für Thoraxchirurgie um den Chefarzt Univ.-Dozent Dr. med. Peter Hollaus am Katholischen Klinikum Mainz (kkm) eine Operation zur Stabilisierung der Luftröhre und der zentralen Bronchien erfolgreich durchgeführt worden. Dieser Eingriff wird nur an wenigen Klinken in Deutschland vorgenommen. Die Patienten leiden an einer zu hohen Elastizität der Luftröhre und der zentralen Bronchien. Die so genannte Tracheobronchomalazie kann bei Belastung oder starkem Husten zum plötzlichen Verschluss der Atemwege,  Schwindel oder gar zur kurzen Bewusstlosigkeit führen. In einer aufwendigen, rund 6-stündigen Operation werden die Luftröhre und die Bronchien mit einem Kunststoffnetz stabilisiert und die Hinterwand der Atemwege daran fixiert. Alle seit Sommer 2017 hier derart operierten Patienten geht es gut und sie berichten über eine deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Etwa 17.280 Mal tun wir es normalerweise pro Tag – unbewusst. Das Ein- und Ausatmen ist ein Automatismus, der uns am Leben hält. Doch was ist, wenn wir es plötzlich nicht mehr können? Die so genannte Tracheobronchomalazie, eine abnorme Elastizität der Luftröhre und der Bronchien kann ursächlich auf einer Fehlbildung oder einer Bindegewebserkrankung beruhen. Sie tritt gehäuft bei Patienten mit obstruktiver Atemwegerkrankung (COPD) und Lungenemphysem auf.

Bei körperlicher Belastung oder beim Husten kann sich die geschwächte Hinterwand der Luftröhre so stark nach vorne wölben, dass es zum Verschluss der Atemwege kommt. Wenn die Luft nicht mehr aus den Lungen entweichen kann, steigt der Druck innerhalb des Brustkorbes so stark an, dass der Blutrückfluss zum Herzen behindert wird. Dies wiederum kann die Gehirndurchblutung und damit die Sauerstoffversorgung des Gehirns empfindlich beeinträchtigen und sogar zur Bewusstlosigkeit führen.

Die Erkrankung bleibt bis zu einem solchen dramatischen Ereignis meist unerkannt. Die Patienten zeigen typischerweise ausgeprägte Atemnot oder auch andauernden, therapieresistenten Hustenreiz bei Belastung mit häufig wiederkehrenden Infekten der Lunge und der Atemwege. Schon der kurze Kontakt zwischen Hinter- und Vorderwand der Luftröhre kann einen starken Hustenreiz auslösen. Für die Betroffenen bedeutet dies eine schwere Einschränkung ihrer Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Die Prognose und der Verlauf dieser Erkrankung hängen unter anderem auch von der Häufigkeit und Schwere der Lungenentzündungen ab.

Eine Therapie und damit eine Heilung sind bislang nur an einigen wenigen Zentren in Deutschland möglich. Voraussetzung für eine Operation ist die bereits einige Wochen vorab erfolgreich durchgeführte Implantation eines sog. endotrachealen Y-Stents. Dabei handelt es sich um eine Y-förmige Kunststoffröhre, die die Luftröhre und die beiden Hauptbronchien von innen schient und dadurch das Kollabieren der Luftröhre verhindert. Wird eine deutliche Besserung der Symptome erzielt, macht die Operation Sinn. Leider kann der Stent die OP nicht ersetzen, weil man ihn nur eine begrenzte Zeit in der Luftröhre belassen kann. Der Fremdkörperreiz führt zu Entzündungen und übermäßiger Schleimproduktion.

Die Operation, die so genannte Tracheobronchoplastik kann nur von einem erfahrenen, hochqualifizierten Team von Ärzten und Assistenzpersonal durchgeführt werden. An der Klinik für Thoraxchirurgie am Katholischen Klinikum Mainz (kkm) wurde sie erstmals in Rheinland-Pfalz am 12.07.2017 vom Chefarzt Univ.-Doz. Dr. med. Peter Hollaus und seinem Team, durchgeführt.

Absolute Voraussetzung für den Erfolg ist die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Pneumologen, Chirurgen und Anästhesisten. Die umfassende Diagnostik erfolgte durch das erfahrene Team von Lungenfachärzten um den Chefarzt der Klinik für Pneumologie und Schlafmedizin, Prof. Dr. med. Cornelius Kortsik. Die komplexe, künstliche Beatmung, die während einer solchen Operation optimal gemanagt werden muss, wird von den kompetenten Narkoseärzten um den Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie und Intensivmedizin, PD Dr. med. Matthias David, durchgeführt.

„Die Operation der Tracheobronchomalazie ist für diese Patienten derzeit die einzige Chance, wieder ein normales Leben ohne Einschränkungen führen zu können.", erklärt Univ.-Doz. Dr. med. Peter Hollaus, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie. Unser Anspruch ist es natürlich, so sicher und schonend wie möglich zu arbeiten, und damit die bestmöglichen Chancen für die Genesung unserer Patienten zu erzielen. Das Lungenzentrum am Katholischen Klinikum Mainz, zu der auch die Klinik für Thoraxchirurgie gehört, ist eines der Größten und ältesten in Deutschland. Die Expertise des Teams unterstreicht die Qualität unserer Arbeit und ist für unsere Patienten ein echter Gewinn“, zeigt sich der Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie und Leiter des Lungenzentrums am kkm, Univ.-Doz. Dr. med. Peter Hollaus, stolz.

Hier finden Sie einen Beitrag aus der SWR Mediathek zum Thema:
https://swrmediathek.de/player.htm?show=877e19d2-daba-11e7-a5ff-005056a12b4c

Fotoquelle: Fotograf Sascha Kopp