Großer Schaden oder große Wirkung?

Medikationssicherheit ist Patientensicherheit – Das Katholisches Klinikum Mainz (kkm) tut vieles – nicht nur am 17. September, dem Internationalen Aktionstag Patientensicherheit

15.09.2016

Im Notfall können Medikamente Leben retten und Krankheiten heilen. Werden sie jedoch falsch dosiert oder falsch eingenommen, können sie sich gegenseitig beeinflussen, nicht richtig wirken oder gar zum Tod führen. Da rund 5 Prozent aller Krankenhauseinweisungen erst durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen verursacht werden tut das Katholischen Klinikum Mainz (kkm) vieles für die Patientensicherheit – nicht nur anlässlich des Internationalen Aktionstages am 17. September, der in diesem Jahr den Schwerpunkt Medikationssicherheit aufgreift. So erfolgen am kkm bei der Aufnahme eine Prüfung der Hausmedikation und eine individuelle Beratung, es gibt einen pharmazeutischen Konsildienst und eine elektronische Arzneimittelliste mit wichtigen Fachinformationen und einen Interaktionscheck. Darüber hinaus werden unter anderem aus anonymen Meldungen für arzneimittelbezogene Medikationsfehler Vorschläge zur zukünftigen Vermeidung abgeleitet und veröffentlicht – also vielfältige Maßnahmen die Leben retten können.     

Der internationale Tag der Patientensicherheit des Aktionsbündnis Patientensicherheit e.V. (APS) ist am 17. September 2016. In diesem Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Medikationssicherheit. Ziel ist es die Patienten für den Gebrauch und den Umgang mit Medikamenten zu sensibilisieren. Denn: werden Arzneimittel unregelmäßig oder in falscher Dosierung, zusammen mit anderen Arzneimitteln oder bestimmten Lebensmitteln eingenommen, kann es zu unerwünschten Nebenwirkungen oder einer fehlenden Entfaltung der Wirkung kommen. Rund 5% aller Krankenhauseinweisungen werden erst durch unerwünschte Arzneimittelwirkungen verursacht. Hinweise zum richtigen Umgang mit Tabletten, Kapseln und Pulvern senken das Risiko solcher unerwünschter Arzneimittelwirkungen.

Ab dem 1. Oktober 2016 besteht sogar ein gesetzlicher Anspruch auf einen Medikationsplan für Menschen, die gleichzeitig drei oder mehr Arzneimittel pro Tag einnehmen müssen. Mit ihm erkennt der behandelnde Arzt oder Apotheker, welche Medikamente der Patient aktuell einnimmt und kann so Wechselwirkungen und andere arzneimittelbedingte Komplikationen aktiv vorbeugen. Untersuchungen zeigen, dass nur etwa 25 % aller Patienten einen Medikationsplan haben. Eine gute Dokumentation der Arzneimitteltherapie ist jedoch die Grundvoraussetzung, um eine optimale Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) zu erreichen.

Am Katholischen Klinikum Mainz (kkm) wird bereits vieles für die Patientensicherheit getan, nicht nur am 17. September. So gibt es:

  1)     Eine Prüfung der Hausmedikation bei der Aufnahme und individuelle Beratung

Bereits bei der Aufnahme im kkm prüfen Apotheker die Hausmedikation von einbestellten Patienten auf arzneimittelbezogene Probleme wie Interaktionen,

korrekte Dosierung und Verfügbarkeit. Dadurch erhalten Patienten nach Aufnahme nahtlos die benötigten Arzneimittel und können sogar auf Anfrage eine individuelle Beratung bei Fragen zu Arzneimitteln in Anspruch nehmen.

2)     einen klinisch pharmazeutischen Konsildienst

Ärzte und Pfleger werden durch Klinikapotheker bei arzneimittelbezogenen Fragestellungen unterstützt – nicht nur bei den gemeinsamen Visiten auf der Intensivstation. Die Apotheke achtet im Rahmen des Qualitätsmanagements beim Einkauf und der Auswahl der Arzneimittel darauf, dass die Medikamentenverpackungen und  die Farbe und Beschriftung der Etiketten möglichst verwechslungssicher gestaltet sind und qualitativ hochwertige Arzneimittel vorrätig sind.

3)     eine elektronische Arzneimittelliste mit Fachinfos und zum Interaktionscheck

Von jedem Computer des Klinikums kann bei Bedarf schnell auf eine Arzneimitteldatenbank mit wichtigen Fachinformationen zu allen in Deutschland erhältlichen Arzneimitteln und Risikoinformationen wie Chargenrückrufe oder Rote Hand Briefe zugegriffen werden. Auch lässt sich so ein Interaktionscheck durchführen.

4)     ein anonymes Melde- & Vorschlagssystem für Medikationsfehler

Ein weiteres wichtiges Instrument zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit stellt die Meldung von Medikationsfehlern dar.   Mitarbeiter des kkm online können anonym Fehler im Umgang mit Medikamenten dokumentieren. Die gemeldeten Fehler werden regelmäßig ausgewertet und Vorschläge zur zukünftigen Fehlervermeidung erarbeitet.

5)     eine Medikamentenzubereitung unter besonderen Bedingungen

Bei stark wirksamen Krebsmedikamenten gilt höchste Wachsamkeit. Diese Zytostatika werden direkt im Reinraum der Apotheke individuell  für jeden Patienten frisch und aseptisch zubereitet. Dabei wird die vom Arzt vorgegebene patientenindividuelle Dosierung und Medikation nochmals auf Fehler überprüft.  Potentiell sehr gefährliche Zytostatika werden, wie vom Aktionsbündnis gefordert, mit zusätzlichen Warnhinweisen versehen.

 

„Häufig entdecken wir bereits bei der Überprüfung der Hausmedikation potentiell gefährliche Interaktionen zwischen den Arzneimitteln. Es ist keine Seltenheit, dass vor allem ältere Patienten 10 oder mehr verschiedene Arznemittel täglich einnehmen. Wechselwirkungen sind da kaum auszuschließen. Wir wollen, dass unsere Patienten gesund werden und/oder  Krankheitssymptome gelindert werden. Dabei hilft in vielen Fällen eine medikamentöse Therapie. Um hierbei auch eine optimale Patientensicherheit gewährleisten zu können, ist eine gute, enge und kontinuierliche Abstimmung zwischen allen am Medikationsprozess Beteiligten wichtig. So sind nicht nur Ärzte, Apotheker und Pflegekräfte gefordert, sondern auch Patienten und ihre Angehörigen. Wir versuchen mit Hilfe der vielfältigen Maßnahmen die Medikations- und somit auch die Patientensicherheit so hoch wie möglich zu halten“, erläutert Dr. rer. nat. Peter Obitz, der Leiter der Apotheke des Katholischen Klinikums Mainz.