Gesucht: Der individuelle Schlüssel zum Bronchialkarzinom

Katholisches Klinikum Mainz (kkm) beteiligt sich an einem Forschungsprojekt zur Entwicklung eines Impfstoffes gegen einen der bösartigsten Tumore

14.09.2016

Welche individuellen Merkmale haben die Immunzellen eines Bronchialkarzinoms? Und wie könnte möglicherweise ein Impfstoff aussehen um die Krankheit zu behandeln oder bereits im Vorfeld zu verhindern? Die Antworten werden aktuell in einem gemeinsamen Forschungsprojekt der Klinik für Thoraxchirurgie des Katholischen Klinikums Mainz (kkm) und dem international agierenden Biotechnologieunternehmen BioNTech untersucht. Unter der Leitung von Chefarzt Univ.- Doz. Dr. med. Peter Hollaus werden rund 100 Patienten mit einem nichtkleinzelligen Bronchialkarzinom (NSCLC) und 60 Probanden Gewebe- und Blutproben entnommen und auf ihre Eigenschaften untersucht. Langfristiges Ziel ist es, eine der aggressivsten Tumorerkrankungen zu entschlüsseln und so eine individualisierte Prävention und / oder Therapie möglich zu machen. 

Weltweit ist das Bronchial- bzw. Lungenkarzinom eine der häufigsten Krebserkrankungen. Allein in Deutschland wird die Zahl der Neuerkrankungen auf etwa 55.600 Personen pro Jahr geschätzt. Mit einer 5-Jahres Überlebensrate von nur 21% bei Frauen und nur 16 % bei Männern zählt es zu den bösartigsten Tumorerkrankungen. Als Hauptrisikofaktor werden das Rauchen oder die Belastung der Lunge durch Feinstaub oder Asbest genannt.  

Klassische Symptome sind Husten, Heiserkeit, Auswurf oder ganz einfach Luftnot. Wird der Tumor zufällig, z. B. im Rahmen der Diagnostik anderer Erkrankung festgestellt, befindet er sich in den meisten Fällen im Frühstadium, wo die besten Heilungschancen durch einen operativen Eingriff bestehen. 

Die Bedeutung des Immunsystems für die Therapie von Tumoren ist erst in den letzten Jahren in den Blickpunkt der Forschung gerückt und hat zur Entwicklung neuer Medikamente mit zum Teil spektakulären Erfolgen geführt. Neueste Ergebnisse aus klinischen Studien haben gezeigt, dass selbst bei fortgeschrittenen Tumoren das Wachstum von Krebszellen durch direkte Anregung des Immunsystems erfolgreich kontrolliert werden kann. Dafür muss den Immunzellen jedoch zunächst beigebracht werden, auf welche Merkmale der Krebszellen sie reagieren dürfen, damit nicht auch gesundes Gewebe irrtümlich zerstört wird. Die Therapie muss also für jeden Tumor speziell zugeschnitten sein, indem die individuellen Tumormerkmale berücksichtigt werden. 

Vor diesem Hintergrund gilt es zunächst, die vielen verschiedenen Merkmale von Lungentumoren zu entschlüsseln und herauszufinden, ob sie eine entsprechende Immunreaktion auslösen können. Genau das ist Ziel des aktuellen Forschungsprojektes, welches von der BioNTech initiiert wurde. Gewebe und Blutproben von rund 100 Patienten und 60 gesunden Probanden werden unter anderem an der Klinik für Thoraxchirurgie des Katholischen Klinikums Mainz unter der Leitung von Chefarzt Univ.-Doz. Dr. med. Peter Hollaus gewonnen und den Biochemikern und Molekularbiologen der Firma BioNTech zur exakten Analyse zur Verfügung gestellt. 

Die Klinik für Thoraxchirurgie am Katholischen Klinikum Mainz bildet mit der Klinik für Pneumologie das renommierteste zertifizierte Lungenkrebszentrum in Rheinland-Pfalz. Um eine optimale Behandlung auf höchstem Niveau gewährleisten zu können, werden sämtliche Prozesse, Leistungen und Ergebnisse regelmäßig von der Deutschen Krebsgesellschaft überprüft. Seit 2009 ist das Zentrum als Lungenkrebszentrum zertifiziert und gehört damit zu den ersten 10 ältesten Zentren in Deutschland überhaupt, die die strengen Kriterien für eine Zertifizierung erfüllt haben. Seitdem sind rund 8000 Patienten mit Lungenkrebs behandelt worden.  

„Lungenkrebs gehört zu den häufigsten und gefährlichsten Krebsarten in Deutschland“ erläutert Priv.-Doz. Dr. med. Peter Hollaus, Chefarzt der Klinik für Thoraxchirurgie am Katholischen Klinikum Mainz. „Trotz intensivster Forschung sind die Behandlungsergebnisse unbefriedigend. Nur in der Frühphase können wir durch eine Operation eine Heilung erzielen. Durch die großen Fortschritte in der chirurgischen Technik können solche Eingriffe heutzutage vorwiegend mittels Schlüssellochchirurgie vorgenommen werden, wodurch die Belastung für die Patienten drastisch reduziert werden konnte. Die Zerstörung von Krebszellen durch Leukozyten bietet einen besonders erfolgversprechenden Ansatz und wird ein neues Kapitel in der modernen Krebstherapie aufschlagen. Doch das Immunsystem darf nicht Krebszellen mit normalen Körperzellen verwechseln. Unser Ziel ist es, hochspezifische Merkmale zu entdecken, die ausschließlich auf Tumorzellen vorkommen und damit ein sicheres Ziel für die Immunzellen abgeben. Wir legen daher sehr viel Wert auf eine optimale und sensible Durchführung des Forschungsprojektes.“

 

„Als Akademisches Lehrkrankenhaus kommen wir gerade bei so wegweisenden Vorhaben unserem Auftrag auch Forschungsprojekte durchzuführen sehr gerne nach“, ergänzen Dr. med. Patrick Frey und Michael Osypka, die  Geschäftsführer des kkm unisono. „Denn sowohl in der Krankenversorgung und Lehre als auch in der Forschung ist es unser Anliegen das Beste für unsere Patienten möglich zu machen.“